g

g

g
g
g
g
g

Kreativ

Er war mein Schüler und daher eigentlich tabu für mich. Aber ich konnte nicht anders, meine Gedanken und Blicke waren immer bei ihm. Im Unterricht lenkte er mich permanent ab, in der ersten Reihe sitzend, breitbeinig und mit einem frechen Grinsen im Gesicht. Seine Hose war gut gefüllt und seine Mimik unzweideutig. Ich hatte Grund zur Annahme, dass auch er mich wollte, und das machte meine Lage nicht besser.

Eines Tages schließlich siegte die Lust über den Verstand und ich bat ihn, nach dem Unterricht noch zu bleiben. In meiner Freizeit würde ich malen, sagte ich, und dass ich gerade an einer Porträtserie arbeiten würde. Ob er mir nicht mal Modell sitzen wolle, bei mir zu Haue? Er sagte sofort zu und versprach, noch am selben Abend zu kommen.

Er tat es. Nervös führte ich ihn in mein kleines Atelier und bat ihn zu warten, während ich noch einige Utensilien holte. Zumindest wollte ich zunächst so tun, als sei ich tatsächlich an seinem Bild interessiert. Als ich zurückkam, präsentierte er sich auf eine Weise, die ich nicht erwartet hatte, jedenfalls nicht so schnell. Selbstbewusst und nackt räkelte er sich auf einem Stuhl und zeigte, was er zu bieten hatte. Das Porträt soll doch gut werden, sagte er, und so kommen meine Vorzüge am besten zur Geltung.

Gemalt habe ich an jenem Abend nicht viel, wie man sich eventuell denken kann. Und auch nicht an den darauffolgenden, an denen er zum Modellsitzen wiederkam. Vielleicht wird das Porträt eines Tages fertig sein, aber bis dahin betreibe ich ausgiebig gewisse Vorstudien, um all seinen Facetten gerecht werden zu können. Denn das Porträt soll ja gut werden.



 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen